Globalisierung

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Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. ... An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.

globalisierung ist der schwammigste Begriff der letzten Jahre, er taugt nichts mehr, er wurde verbraucht.

ein leser

Globalisierung

bedeutet Entgrenzung nationaler Volkswirtschaften; fortschreitende Internationalisierung von Produktion und Distribution über die Güter-, Rohstoff-, Arbeits- und Finanzmärkte; Freihandel von Gütern, Kapital und Dienstleistungen; Neu an der Globalisierung (im Unterschied zum Welthandel) ist ihre Ort- und Zeitlosigkeit, Ubiquität und Beschleunigung. Begünstigt wird die Entgrenzung durch Veränderungen im Wertesystem: Individualisierung, Mobilität, Konkurrenz- und Leistungsdenken. Ulrich BECK unterscheidet Globalisierung, Globalität und Globalismus. (Beck 1997, 26f.) Mit Globalisierung benennt er den Prozess weltweiter Vernetzung. Globalität bezeichnet den erreichten Vernetzungsgrad der Welt. Globalismus verweist auf Ideologie und Praxis des Neoliberalismus, der zwecks weiterer kapitalistisch-ökonomischer Durchdringung der Welt einen von politischer Regulation befreiten Weltmarkt forciert.

aus: http://www.political-science.at/tutorien/SS02/lexikon.htm

ToDo

Zur Kritik der Globalisierungskritik (Fragen)

Meine zwei Fragen richten sich an Elmar Altvater und Andere, die mit dem Begriff der "Globalisierung" operieren:

Ich bin im ... politisch aktiv - auch neben Vertreterinnen und Vertretern der hier bereits erwähnten Organisation "attac" - und meine Fragen mögen ihnen vielleicht auch als praktische Bestätigung dessen dienen, was Elmar Altvater eben über die große Pluralität von Meinungen innerhalb dieser Bewegungen gesagt hat.

Über meine Beobachtung, das zwischen der Karriere des Topos der "Globalisierung" seit den 90er Jahren und eskalierenden sozialen und ökonomischen Spannungen in fast allen Ländern der Erde zumindest eine historische Koinzidenz besteht, wird es ja vermutlich wenig Dissenz geben. Spannender ist da wohl schon die Frage, ob

1. zwischen beidem tatsächlich eine kausale Beziehung besteht und 2. wenn ja, auf welche Art und in welche Richtung:

Ist die Globalisierung real und es werden tatsächlich in relevantem Maße Werte aus lokalen ("nationalen") Ökonomien irgendwohin transferiert, und wenn es so wäre - per saldo von wo wohin?

Oder dient eher "Globalisierung" als vielseitige und nützliche IDEOLOGIE interessierten Seiten jeweils lokal dazu, die tatsächlichen, letztlich hausgemachten (oder auch strukturellen) Ursachen dieser Krise zu verschleiern? Sie profitieren breit von den wachsenden Einkommensdisparitäten, projizieren die entsprechenden laufenden Einkommen via Globalisierungs-Diskurs außer Landes, rufen "Haltet den Dieb!" und fahren gut damit.

2. Teilen sie meine Beobachtung, daß im Zuge der Karriere dieses sehr weiten Begriffs "Globalisierung" auch eine merkwürdige Scheidung - einhergehend mit doch sehr dichotomischen Attributen - immer öfter gemacht wird, zwischen

3. Teilen Sie meine Beobachtung, daß letztere dabei stark in den Vordergrund gerückt werden und analog dazu auffällig häufig sekundäre und statische ökonomischen Parameter und Phänomene aus der Zirkulations-Sphäre skandalisiert werden, wie etwa Zinsen, Vermögen und Spekulation an Börsen - während zugleich Mehrwert, Einkommen, Unterbezahlung und Gewinnmaximierung in realen Betrieben, also in der eigenen Lebensumwelt eher als Un-Themen gelten?

4. Teilen Sie meine Besorgnis, daß auf diese ideologischen Entwicklungen Analysen von Hannah Arendt und Moishe Postone sehr genau zutreffen, die von einem Diskurs sprechen, auf welchen sich "eine in allen anderen Fragen hoffnungslos gespaltene öffentliche Meinung sich über Nacht einigen konnte", dessen "Macht und Gefahr darin liegt, daß er eine umfassende Weltanschauung liefert, die verschiedene Arten antikapitalistischer Unzufriedenheit scheinbar erklärt und ihnen politischen Ausdruck verleiht. Er läßt den Kapitalismus aber dahingehend bestehen, als er nur die Personifizierung jener gesellschaftlichen Form angreift."

Der Kern dieses Diskurses liegt danach in einem falschen Antikapitalismus, »wonach derjenige, dessen Geld ausschließlich dazu benutzt (wird), mehr Geld zu machen, bitterer und nachhaltiger gehaßt wird als derjenige, der seine Profite auf einem langen und komplizierten Umwege des Produktionsprozesses erwirbt«.


Ich glaube, man darf Begriffe wie Globalisierung nicht durch eine negative Belegung und Spezialisierung aus der Hand geben. Negative Entwicklungen in der Globalisierung der Wirtschafts bedürfen eben auch einer gegensteuernden Globalisierung der privaten Kommunikation und einer Globalisierung der sozialen Kooperation, die zu einer Globalisierung des Gemeinschaftsempfindens führen müssen.

Diesen Fragen sollte m.E. unaufgeregt und entschieden nachgegangen werden! Vielleicht gar nicht so sehr in einem unmittelbaren Diskurs hier im Forum, sondern als Fragestellung an jeden einzelnen, ob er wirklich weiß, worüber er nachdenkt und wovon er redet / wofür er sich stark macht und einsetzt.
Ich nehme das als philosophische Aufforderung, den Dingen wirklich auf den Grund gehen zu wollen und zu sollen - wirklich wissen zu wollen, was "Fakt" ist, und wie sich die Dinge verhalten (und nicht nur mit Schlagworten zu hantieren).

Die Frage nach den Kapialströmen z.B. interessiert mich auch schon lange - leider bin ich mit meiner Suche nicht sehr weit gekommen (Mir fehlt einfach das Handwerkszeug dazu, außerdem bin ich in Wirtschaftsdingen nur sehr allgemein informiert). Vielleicht könnten wir uns hier austauschen, wie wir einer Beantwortung dieser Frage näher kommen könnten?

Die Gefahr, daß sich interessierte Kreise die Diskussion zu nutze machen könnten, um von sich und ihrem Treiben abzulenken und ungestört ihre eigenen Deals weiterbetreiben zu können, ist m.E. groß und eine reale Gefahr (Stw. "Bewußtseinsindustrie").
Um so dringlicher ist die alte Forderung: Genau hinzusehen und hinzuhören und nicht vorschnell zu urteilen (sich fragen: woher weiß ich das eigentlich?)! Damit man nicht am Ende die bekämpft, die eigentlich Verbündete sind im Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, im Einsatz für das Leben (Kultur des Lebens) und gegen die lebensfeindlichen Mächte (Kultur des Todes).

Materialien:

Kommentare

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...

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