EigenArbeit
Eigenarbeit heißt: eigene Bedürfnisse durch eigenes Tun befriedigen; selbst tätig werden, allein oder gemeinschaftlich etwas herstellen, reparieren oder organisieren. Eigenarbeit umfaßt handwerkliche, soziale und kulturelle Aktivitäten. Sie geschieht in eigener Regie, mit eigenem Zeit- und Geldaufwand, mit eigenen Händen und Verstand.
Eigenarbeit ist Teil des NewWork-Konzeptes von Frithjof Bergmann.
Zitat der AnStiftung
"Selber machen statt kaufen" - so lautet die komprimierteste Definition der anstiftung. In dieser Formulierung steckt bereits die Essenz des Konzepts: Es geht darum, sich vom Konsum weitgehend zu emanzipieren, allerdings nicht durch Verzicht, sondern im Gegenteil, durch eigenes Tun zur Entfaltung eines selbstbestimmten Lebens beizutragen. Ausgangspunkt ist also keine schlechte materielle Versorgungslage, sondern vielmehr eine Überversorgung, die an einen Mangel gekoppelt ist: Die Fremdversorgung über den Markt bewirkt eine wachsende emotional-kulturelle Unterversorgung mit unterschiedlichen Folgen wie z.B. Verlust von Kompetenz und Eigenwert, Entwurzelungs- und soziale Ausgrenzungstendenzen.
Das Verständnis der anstiftung von Eigenarbeit rekurriert auf den Historiker und Kulturkritiker Ivan Illich, der mit diesem Begriff Ende der siebziger Jahre in die Diskussionen um die Rückgewinnung von Autonomie in der warenproduzierenden Gesellschaft eingriff. Als Eigenarbeit bezeichnete er das, "...womit sich Menschen von Konsum und Produktion absetzen... Eigenarbeit ist Ersatz von Ware durch eigenes Tätigsein" (1). Jens Mittelsten Scheid, der Gründer der anstiftung, hat diese Definition so zusammengefasst: "Eigenarbeit ist Tätigsein im eigenen Auftrag, nach eigenem Konzept, mit den eigenen Kräften und für sich selber". (2)
Seit 17 Jahren fördert die anstiftung Projekte mit dem Ziel, durch Eigenarbeit die Autonomie der Einzelnen zu stärken. Dabei geht sie davon aus, dass eine größere Autonomie-Orientierung wesentliche Voraussetzung ist für soziale und ökologische Zukunftsfähigkeit.
Die Praxis im Münchener Haus der Eigenarbeit (HEi), das Anfang der 80er Jahre von der anstiftung initiiert wurde, zeigt, dass dieses Konzept Kommunikationsformen ermöglicht, die nicht beliebig oder künstlich herstellbar sind, sondern eine materielle Basis haben. Die Begegnung der Menschen hat ein Thema. Hier ist die Herstellung von Gütern auf der Basis eines gebrauchswertorientierten Sinnzusammenhangs in die sozialen Beziehungen eingebettet. Das bedeutet, dass neue Formen von mittelbarer Gegenseitigkeit eingeübt werden (können). In diesem Sinne ist handwerkliche Eigenarbeit immer auch soziale und kulturelle Eigenarbeit
(1) Ivan Illich (1982): Vom Recht auf Gemeinheit, Reinbek, S.52.
(2) Mittelsten Scheid, Jens (1995): "Mehr Eigenarbeit. Bausteine für eine menschliche Zukunft", in: das baugerüst, 1/1995, S.56-59
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Texte zur Eigenarbeit auf der Homepage der AnStiftung: http://www.anstiftung.de/pubeig.htm
Neue Seiten im Kontext
Sonntag, 29. Oktober 2006
Die Anstiftung hat ein Netzwerk offener Werkstätten in München initiiert:
das Münchner Netzwerk offener Werkstätten und Ateliers. Die 17 Projektpartner wollen Laien ermöglichen, nach eigenen Vorstellungen handwerklich und künstlerisch tätig zu werden. Denn neben dem ästhetischen oder praktischen Nutzen fördern Tätigkeiten dieser Art Schlüsselkompetenzen, die im Alltag immer wichtiger werden.
Freitag, 30. November 2001
Ivan Illich kann als als der radikalste Denker in den Bereichen Politik und Gesellschaft in der zweiten Hälfte den 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Sein Ziel ist die Analyse der institutionellen Struktur der Industriegesellschaft und daneben sowohl eine rigorose Kritik als auch ein Bündel alternativer Konzepte zu liefern.
Der Hauptimpuls seiner Kritik richtet sich gegen eine Gesellschaft der Hauptelemente eine Wachstumswirtschaft, politische Zentralisierung, und die Idee unbegenzter Technologie sind.