SelbstbedienungsZentrale

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Liebe Freunde und Freundinnen der Gratisökonomie,

wir möchten euch herzlich zur Eröffnung des neuen temporären Büros der Selbstbedienungszentrale am Freitag, 12. März 2004, 19:00 Uhr in den Räumen der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst einladen. Dann beginnt "fast um§onst", eine Ausstellung "Gegen die Durchökonomisierung des Daseins", organisiert von Haytham el Wardany, Tina-Marie Friedrich, Christine Kriegerowski, Christoph Tempel und Claudia Tribin, bei denen wir uns ganz herzlich für die Einladung bedanken möchten.

Bis zum 18. April werden wir jeden Freitag bis Sonntag jeweils 15:00 - 18:30 Uhr in der Ausstellung "fast um$onst" in der NGBK das Büro besetzen, um alles, was ihr braucht oder verschenkt aufzunehmen und zu vermitteln. An den anderen Tagen könnt ihr das Büro eigenständig benutzen oder über die neue Website www.selbstbedienungszentrale.de Gegenstände kostenlos via Internet vermitteln. Wie jedesmal dürfen ausschließlich Dinge angeboten werden, die der/die AnbieterIn kostenlos abgeben möchte. Teilnahmeberechtigt sind grundsätzlich alle, die etwas umsonst abzugeben haben oder etwas umsonst suchen. Bringt nicht mehr benötigte, aber noch brauchbare Dinge in Umlauf, damit andere sie weiter verwenden können und sie in neuen Händen wieder einen Wert bekommen.

Herzlich willkommen in der Welt der Gratisökonomie

Claudia Burbaum, Folke Köbberling und Martin Kaltwasser


Inhalt:

Die Selbstbedienungszentrale bei fast um$onst

Eröffnung: 12. 3. 2004, 19 Uhr Ausstellungsdauer: 13. März bis 18. April 2004 Öffnungszeiten NGBK : täglich 12:00–18.30 Uhr Bürozeiten Selbstbedienungszentrale: Freitag-Sonntag 15:00 -18:30 Uhr Ort: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst Oranienstr. 25, 10999 Berlin, http://www.ngbk.de

Die Selbstbedienungszentrale

Die Selbstbedienungszentrale ist ein öffentliches Auskunftsbüro. Zentrales Anliegen der Selbstbedienungszentrale ist es, Dinge ohne Zwang von Tausch und Bezahlung weiter zugeben. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist hier befreit von den gängigen Verwertungsgesetzen des Systems. Im Gegensatz zu Tauschringen, die meist eine alternative, wenn auch kreative Ersatzwährung einführen und das kapitalistische Prinzip auf eine niedrige Entwicklungsstufe reduzieren, funktioniert die Selbstbedienungszentrale als Gratisökonomie. Die sonst übliche Grundbedingung der Warenzirkulation als Schaffung von Mehrwert, der Tausch eines Gegenstands gegen Geld oder Dienstleistung wird komplett ausgehebelt. Dieses Prinzip begegnete uns ja noch vor nicht allzu langer Zeit in Form von gebietsweisen Sperrmülltagen und verhalf so manchem zu ganzen Wohnungseinrichtungen. Die kommunalen Entsorgungsunternehmen machten diesem genialen Brauch leider flächendeckend ein Ende. Mit der Selbstbedienungszentrale erlebt dieses Prinzip eine Wiederauferstehung und verweist auf findige Selbstorganisation und Vernetzung als moderne Überlebensstrategie in den Städten.

In der Selbstbedienungszentrale werden nicht nur Gegenstände geboten und gefunden, sondern sie kann als Forum für Gratisangebote aller Art genutzt werden. Kostenlose kulturelle Angebote wie Filme, Lesungen, Konzerte oder Vernissagen mit ihren bekannten kulinarischen Genüssen können Sie in den temporären Filialen oder unter www.selbstbedienungszentrale.de bekannt machen und sich dort über permanente Gratisökonomien, wie beispielsweise UmsonstLäden, informieren.

Bringen auch Sie nicht mehr benötigte, aber noch brauchbare Dinge in Umlauf, damit andere sie weiter verwenden können und sie in neuen Händen wieder einen Wert bekommen. Die Selbstbedienungszentrale übernimmt die Vermittlung. Die einzige Bedingung ist, dass alles kostenlos abgegeben und von den zukünftigen BesitzerInnen selbst abgeholt wird. Alle Dinge, die Sie über die Selbstbedienungszentrale erhalten, sollten auch in Zukunft unverkäuflich bleiben und auch nicht gegen anderes eingetauscht werden.

Herzlich Willkommen in der Welt der Gratisökonomie

fast um$onst

Gegen die Durchökonomisierung des Daseins

fast um$onst vereint kritische wie ironische Positionen von insgesamt 31 Künstlerinnen und Künstlern zur derzeitigen gesellschaftlichen Situation.

In Berlin wie in Deutschland regiert der Rotstift. Alle reden von leeren Staatskassen und der Eigenverantwortung, die jeder jetzt für sich übernehmen muss. Deregulierung, Rationalisierung, Entlassung, Arbeitslosigkeit, Vereinzelung und Entsolidarisierung werden zu gesellschaftlichen Phänomenen eines Staates, der sich im Stil eines Wirtschaftsunternehmens gebärdet. Das Bild des Künstlers als Inbegriff des kreativen, nicht entfremdeten Arbeiters, der alle Produktionsmittel in den Händen hält, wird zum staatlich geförderten Wunschbild und findet seine Ausprägung in der so genannten ICH-AG.

fast um$onst ist eine Kunstausstellung zur ökonomischen Bestandsaufnahme einiger Facetten des immer stärker werdenden Neoliberalismus und zu Strategien des Durchwurstelns (selbstorganisierten fantasievollen Handelns) nach der New Economy. Wir haben Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die den Dienstleistungssektor thematisieren, sich ihm aber verweigern und einen Ausweg aus dem ewigen Für-zu-wenig-Geld-arbeiten-müssen zumindest erträumen.

fast um$onst fördert Kritik und Improvisation im Kampf gegen Einschränkungen der Lebensqualität. Den Zwang zur Selbsthilfe beantwortet fast um$onst mit der Lust am Selbermachen.

Demokratisierung von künstlerischen Prozessen wie auch die Teilhabe daran sind uns ein Anliegen. Diesen Anspruch verwirklicht fast um$onstdurch offene Workshops wie das Atelier populaire, Siebdruck mit Gertud Fischbacher(16./17. März) oder den Geld-Lieder-Abend mit DJ-Everybody(2. April), an dem zum DJ werden kann, wer seine Platten mit Geldliedern mitbringt. Das von Capital Training im Rahmen der Ausstellung organisierte Congress Coaching 2004 bietet die Möglichkeit an einer Fortbildung für Medienkünstlerinnen teilzunehmen und Strategien für eine Professionalisierung in diesem Bereich zu erlernen. Über den im Januar 2004 ausgeschriebenen Publikums-Wettbewerb Goldregen – Geldsegen sichern wir nicht nur die Teilhabe des Publikums an der Kunst (drei GewinnerInnen erhalten ein Gemälde nach ihrer Vorlage, ausgeführt von der Berliner Künstlerin Astrid Küvers) sondern materialisieren damit auch ihre Wünsche und Sehnsüchte von Reichtum und Luxus durch den ideellen Wert eines Kunstwerks. Die Selbstbedienungszentrale von Claudia Burbaum, Folke Köbberling und Martin Kaltwasser(Öffnungszeiten Freitag bis Sonntag 15–18.30 Uhr) realisiert das Modell einer Gratisökonomie, in der Dinge ohne Zwang von Tausch und Bezahlung weitergegeben werden können. Sie reagiert ganz pragmatisch auf die veränderten ökonomischen Gegebenheiten und fordert auf zur Interaktion mit den KünstlerInnen und dem Publikum. Die Ausstellung zeigt ironische und kritische Positionen von: Kaaren Beckhof; Blank & Jeron; Capital Training von Ellen Nonnenmacher mit Helene von Oldenburg, Claudia Reiche, Valie Djordjevic, Kerstin Weiberg, Verena Kuni; Angélica Chio, Rüdiger Stern; Gertrud Fischbacher; Tina-Marie Friedrich; Sofia Hultén; Christine Kriegerowski; Astrid Küver; Barbara Loreck, Steffi Weismann und Gästen; Primärenergie: Uli Ertl, Mirjam Junker, Barbara Loreck, Conrad Noack, Rut Waldeyer; Anton Rabe, Inger Schwarz; Selbstbedienungszentrale: Claudia Burbaum, Martin Kaltwasser, Folke Köbberling; Alexej Shulgin; Tiger Stangl; Betty Stürmer; Claudia Tribin.

Zur Ausstellung erscheint ein 96-seitiger Katalog. Präsentation am Freitag, den 2. April 2004, 19 Uhr in den Räumen der Ausstellung.

fast um$onst – Arbeitsgruppe der NGBK: Haytham el Wardany, Tina-Marie Friedrich, Christine Kriegerowski, Christoph Tempel, Claudia Tribin

http://www.mitzeitung.de


web: http://www.berlin-umsonst.tk/ mail: berlin-umsonst@gmx.net


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