SchönerLeben

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Letzter Stand 2006/07

Schöner Leben Freiburg hat sich quasi aufgelöst, wirklich entstanden waren nur die Gartengruppe und die Soligemeinschaftskasse, zumindest der Garten existiert noch und wird auch rege bearbeitet/genutzt.

der alte Text:

Viele von "uns" (den Linken, Renitenten ...) haben es schon immer gut hinbekommen sich ihr ökonomisches Auskommen mehr oder weniger gut zu organisieren und nebenbei ein bißchen Politik zu machen. Die einen über Sozi -, Arbeitsamt - oder sonstige Kohle, andere über prekäre oder auch sichere, z.T. auch sehr lukrative Jobs. Das klappt inzwischen immer schlechter, was nichts daran ändert, daß sich die einzelnen meist individuell durchwursteln. Arbeit / Freizeit / Politik bleiben dabei in der Regel getrennte Sphären, die fast unverbunden nebeneinander stehen. So sehr wir den Kapitalismus als ökonomische und gesellschaftliche (!) Struktur auch kritisieren, unsere Lebensentwürfe bleiben doch weitestgehend kompatibel mit eben dieser Struktur. Unsere Kritik verkommt tendenziell zur Spielwiese.

Mit den Überlegungen zur Solidarökonomie könnte sich daran vielleicht etwas ändern. Es geht hier darum einen Prozess anzustoßen, dessen erste kleine Schritte im Folgenden skiziert werden sollen. Es ist selbstverständlich kein Rezept und soll auch keins sein. Es geht darum eine Dynamik im Spannungsfeld von Analyse und konkretem Alltag loszubrechen.

Solidarökonomie

Der Begriff Solidarökonomie steht für einen idealen Gesellschaftsentwurf: Alles für alle! Alle nach ihren Fähigkeiten und allen nach ihren Bedürfnissen (1): Solidarökonomie ist als ein soziales Experiment für ein buntes, herrschaftsfreies, widerständiges Leben und als Reibungsfläche mit der kapitalistischen Normalität zu begreifen. Solidarökonomie hat einen gesamtgesellschaftlichen Anspruch, d.h. es geht nicht darum eine Nische zu schaffen (2), in der es sich einige Wenige gemütlich einrichten und sich zurückziehen können. Im Gegenteil: Ein zentrales Ziel einer Solidarökonomie ist es, ist sich einzumischen und dafür zu kämpfen, dass für alle Menschen Bedingungen geschaffen werden, unter denen sie sich selbst entfalten können . (3)

Es handelt sich um den Versuch eine radikale Praxis zu entwickeln, die ihren theoretischen Ausgangspunkt im Alltag hat und versucht, die Bereiche, die in verschiedenen Analysen als Kernbereiche (Arbeit, Eigentum,Geschlechtrverhältnisse...) dieser Gesellschaft ausgemacht werden, grundlegend zu ändern. Und damit bereits im hier und jetzt anzufangen:

Zum Beispiel die Solidarkasse

Der Solidarkasse liegt die Idee zugrunde, eine kollektive Struktur zu schaffen, die es Einzelnen ermöglicht, finanzielle Notlagen zu überbrücken bzw. materielle Bedürfnisse zu befriedigen. Langfristig könnte die Solidarkasse dazu beitragen, den Zwang den nächst besten "Scheiß -Job" annehmen zu müssen, zu reduzieren bzw. ermöglichen, daß Zeit freigemacht wird, um wichtigere Dinge zu machen, als sich zu verwerten.

Die Praxis könnte so aussehen:

Es wird angestrebt diese aufgezählten "bürokratischen Hürden" nach und nach abzubauen. Eventuell ist es jedoch sinnvoller, erst mal mehrere Hürden einzubauen, um zu verhindern, dass Einzelne nach kurzer Zeit gefrustet aufhören, weil es nicht richtig funktioniert oder sie ein schlechtes Gefühl bei der Sache haben.

Exkurs am Beispiel der Solidarkasse: Noch hier und schon weit fort

Da wir in einer Welt leben die eben mal so ist wie wir sie alle kennen, ist unser Denken zwangsläufig in kapitalistischer Logik verhaftet. Also gebe ich nur, wenn ich auch entsprechend nehmen kann. Also muß alles zu allem in äquivalente Verhältnisse gebracht werden. Jede/r Einzelne achtet darauf, nicht über den Tisch gezogen zu werden und weil wir in diesem speziellen Fall alle furchtbar nett sind, habe auch ich ganz fix ein schlechtes Gewissen, wenn ich befürchte, ich könnte jemand anderen abgezockt haben.

Dieses zwanghafte aufrechnen und vergleichen von Leistungen und Gütern läßt sich kritisieren und verändern, aber nun mal nicht einem großen, mutigen Sprung des Willens überwinden. Daraus folgt, daß leidige Diskussionen geführt werden müssen: z.B. wer hat warum welche Bedürfnisse, was ist angemessen und was ist legitim, wer legt das überhaupt fest?

Solche Auseinandersetzungen sollen entstehen, weil darüber scheinbare Selbstverständlichkeiten hinterfragt, dekonstruiert und ad absurdum geführt werden können. So entstehen andere Umgangsformen jenseits von Äquivalent und Wert.

Zum Beispiel Austausch von Fähigkeiten und Kenntnissen

Die Idee ist, eine Struktur aufzubauen, in der über das persönliche Umfeld hinaus Kenntnisse und Fähigkeiten ausgetauscht werden können (Austauschen ja- Tauschen nein! Hat nichts mit einem Tauschring bzw. Tauschwertprinzip zu tun) D.h. eine Struktur zu schaffen, die nach dem Prinzip funktioniert bzw. den Umstand aufgreift, dass alle über ganz unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, gleichzeitig einige dieser Fähigkeiten von Anderen benötigt werden bzw. sich Andere diese Fähigkeiten erst aneignen müssten.

Praxis:

Weitere Ansätze bzw. Fragestellungen

1. Ausgleich (Arbeits-)Zeit/ Einkommen

2. Produktion: Welche ´sinnvollen´Dinge lassen sich denn wie produzieren? Wie kann diese Produktion, obwohl sie notwendigerweise im falschen Ganzen (hier kommt jetzt die Abhandlung über Produktionsverhältnisse, die rein aus Platzgründen vorläufig übergangen wird) stattfindet, das Potenzial beinhalten über dieses hinaus zu weisen?

3. Wohnen

4. Materialien, Dinge, Zugänge aller Art organisieren

5. Gesundheit: Rezepte, Hilfsmittel, Medikamente organisieren. Fragen stellen können.

6. Centro sociale, Infrastruktur für Dings und Alles

7. Gärten für Gemüse (zum essen) und Blumen (zum wohlfühlen); mit Hängematten für alle.

8. Alle andern Lebensbereiche

Die beiden beschriebenen Projekte (Solidarkasse und der Austausch von Kenntnissen und Fähigkeiten) sind erste, konkrete Ideen, um eine Solidarstruktur aufzubauen. Natürlich können bzw. sollen nach und nach immer mehr Projekte dazu kommen. (4) Die Solidarstruktur wird als übergeordnetes Projekt verstanden, das sich aus verschiedenen Teilprojekten zusammensetzt. Die einzelnen Teilprojekte sind zwar einerseits selbständig, sollen sich aber andererseits auch als Teil einer größeren Struktur verstehen. D.h. mensch kann sowohl bei einem als auch bei mehreren Projekten mitmachen, muss es aber nicht. Mitmachen bedeutet eine gewisse Verbindlichkeit, d.h. mensch sollte bereit sein, sich auf das Projekt einzulassen. Um einen Austausch unter den Teilprojekten zu erreichen, soll es in regelmäßigen Abständen Plena geben, an denen alle Teilprojekte bzw. die daran Beteiligten der Solidarstruktur zusammenkommen. Ganz wichtig: um zu vermeiden daß Ziele und Ansprüche der Solidarökonomie nach und nach in Vergessenheit geraten, muß wieder die Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis gestellt werden.

Gruppe Schöner Leben / Solidaroekonomie Freiburg

(1) Damit ist eine Richtung angegeben, die auf eine ferne Utopie zeigt und gegenwärtig einen konkreten Prozeß einfordert: Fähigkeiten werden im Tun - kollektiv und individuell- erweitert; Bedürfnisse sind Gegenstand von Kommunikation und Aushandlung. Dieser Prozeß als Ganzes ist Ziel und Mittel zugleich.

(2) Konkretes Beispiel: Mensch müsste von den Hartz-4-Allmosen leben und könnte mit Hilfe des Solidarzusammenhangs seine Lebenssituation deutlich angenehmer gestalten. Es wäre absurd sich dann nicht auch damit zu befassen was die politischen Hintergründe von Hartz sind, wie Gesellschaft dadurch verändert wird und wie sich Mensch dagegen zur Wehr setzen kann.

(3) Unsere Bewegung auf das gesetzte Ideal zu wird zwangsläufig eine unabgeschlossene bleiben. Sowohl in Bezug auf praktisches Handeln und Erfahren, als auch bezüglich dessen, was wir uns erdenken können. Denn egal welchen Ist-Zustand wir erreicht haben (werden) - eine bessere Gesellschaft wird immer vorstellbar sein. Somit bleiben wir immer Ankommende.

Anmerkungen zum Text

(Der obige Text ist ein Zwischenergebnis und wird weiter diskutiert)

Ein paar Saetze zur Realisierung der im Text vorgeschlagenen Ideen: Wir sind eine Gruppe von inzwischen 10 bis 20 Leuten, je nach Projekt und je nach Intensiteat der Teilnahme. Mit der Solidarkasse, dem "Austausch” ohne Tausch von Kenntnissen und Faehigkeiten sowie dem Gartenprojekt haben wir seit bald einem Jahr angefangen. So werden mehrere Gearten fuer unterschiedliche Beduerfnisse genutzt, von Chillout bis Gemueseanbau. Vieles von dem was in unserer Gruppe passiert ist aber vorallem als Experiment zu verstehen, als solches prozesshaft und « objektiv » kaum moeglich zu bestimmen. Dazu ein Beispiel: Was passiert bei den Teilnehmenden einer gemeinsamen Kasse, in die unterschiedliche Leute monatlich einen kleinen Beitrag einzahlen ? Fuer manche ist dieses Projekt eher nebenseachlich, ich persoenlich habe eine angenehme «Sicherheit» im Hinterkopf, auch wenn ich die Kasse kaum nutze oder nutzen muss. An solchen Stellen wird es spannend. Wenn schon kleine Verschiebungen im sozialen Umfeld eine positiv vereanderte Wahrnehmung hervorrufen, dann macht es Lust weiter zu probieren.

Was wuerde passieren wenn, wie im Text formuliert, die Kasse es z.B. leisten koennte « den Zwang den nächst besten "Scheiß -Job" annehmen zu müssen » zu reduzieren ? Vielleicht lebt es sich dann viel unbeschwerter und offensiver ? Die Aufhebung der Trennung von Politik und Alltag ist meiner Meinung nach eine wichtige Perspektive fuer eine radikale Vereanderung gesellschaftlicher Verhealtnisse, da es moeglich wird gemeinsame Schnittpunkte zwischen den Beduerfnissen Einzelner zu finden, sich entlang dieser zu organisieren und gemeinsam Neues auszuprobieren. Aber vorsicht, es koennte persoenlich werden !

Interesse ? Alles Bockmist ? Kontakt ueber : politix@gmx.net

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