Das neue Landstück vom Mas de Granier

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Vor fünfzehn Jahren gründete sich die Longo mai-Kooperative "Mas de Granier" in der Crau in Frankreich. Schon damals war beabsichtigt, zusätzliches Land zu finden. Nun haben sie eine direkt angrenzende Parzelle hinzugekauft, die seit zehn Jahren brach lag. Die Initiative bittet um finanzielle Unterstützung.

Aus CONTRASTE Nr. 255 (Dezember 2005)

Longo mai, Frankreich

Schon vor fuenfzehn Jahren, als wir uns auf den zwanzig Hektar des Mas de Granier in der Crau (bei Arles) niederliessen, fuehlten wir uns etwas eingeengt. Wir hofften, spaeter zusaetzliches Land zu finden, um die Anbauflaeche des Weilers zu vergroessern. Im Laufe der Zeit boten sich mehrere Moeglichkeiten, und wir bewarben uns jeweils fuer den Landkauf. Die verantwortlichen Instanzen entschieden sich jedoch jedes Mal gegen uns. So gab es weit und breit kein weiteres Land mehr, ausser einer direkt angrenzenden Parzelle, die seit zehn Jahren brach lag.

Hannes und Albert, Longo mai - Diese Parzelle bot keinen schoenen Anblick: Das Terrain war frueher fuer industriellen Gemueseanbau genutzt worden. Es war von eingegrabenen Plastikplanen, Draehten, Stuecken von Bewaesserungsschlaeuchen und Plastikfetzen uebersaet. Gleichzeitig diente es als Schutt- und Lagerplatz fuer ein Bauunternehmen. Gegen Ende des Jahres 2004 teilte uns die staatliche Organisation SAFER mit, die das Vorkaufsrecht auf alle landwirtschaftlichen Boeden in Frankreich besitzt, dass die angrenzenden 6,8 Hektar zum Verkauf stuenden, und der Eigentuemer bereits mit dem Bauunternehmer einen Vorkaufsvertrag abgeschlossen haette. Falls wir ebenfalls interessiert waeren, muessten wir uns innerhalb von zwei Wochen entscheiden!

Der Preis des Landstuecks erschien uns mit 114.000 Euros teuer. Ausserdem wuerde es grosse Anstrengungen kosten, den missbrauchten Boden fuer biologische Landwirtschaft zurueckzugewinnen. Jedoch hat die Parzelle den grossen Vorteil, dass sie das gesamte Terrain des Mas abrundet, bewaesserbar, aber nicht ueberschwemmungsgefaehrdet ist, wie die anderen Teile des Weilers. Es war uns klar, dass wir einer Zweckentfremdung des landwirtschaftlichen Bodens nur durch den Erwerb des Landes zuvorkommen konnten. Alle Genossenschafterinnen und Genossenschafter des Mas de Granier waren sich einig: Wir versuchen es!

Danach diskutierten wir mit den anderen Longo mai-Kooperativen, in denen es Zweifel an der Verhaeltnismaessigkeit unseres Vorhabens gab. Es stellte sich heraus, dass der hohe Preis in der Region leider so ueblich ist und eine Reduktion nicht in Frage kam. Schlussendlich beschlossen wir gemeinsam, uns als Kaeufer des Landes zu bewerben. Entgegen allen Erwartungen sprach uns die SAFER im vergangenen Februar das Landstueck zu. Wir mussten einen Ueberbrueckungskredit aufnehmen, um das Land kaufen zu koennen. Inzwischen haben wir die neue Parzelle in unsere Schweizer Stiftung "Europaeischer Landfonds" integriert, wie wir dies schon vorher mit den Boeden aller Kooperativen getan hatten. Mit der Stiftung als Eigentuemerin ist das Land unteilbar und vor moeglicher Spekulation und Zweckentfremdung auf Dauer geschuetzt. Die Menschen, die auf dem Hof leben und arbeiten, haben ein lebenslanges Nutzungsrecht.

Fuer das neue Terrain gibt es schon einige Plaene. Diesen Herbst werden wir es umpfluegen, um die Erde zu lueften und den noch eingegrabenen Unrat an die Oberflaeche zu befoerdern, den wir dann einsammeln. Anschliessend werden wir Getreide einsaeen. Auf einem Teil des Landstuecks wollen wir spaeter Heu produzieren, wobei es einige Jahre dauern wird, bis eine gute Maehwiese entsteht. Wir koennen endlich verschiedene Obstbaeume anpflanzen, Getreide fuer die Tiere und fuer unser Brot anbauen. Die Parzelle wollen wir durch Hecken unterteilen, in denen Voegel nisten koennen.

Am 11. Juni dieses Jahres feierten wir das fuenfzehnjaehrige Bestehen des Mas de Granier. Zu diesem Anlass kamen zahlreiche Freunde und Freundinnen aus der Region, um das Fest zu geniessen und mit uns das neue Landstueck vom Muell der industriellen Landwirtschaft zu saeubern. Nach und nach werden wir diesen Flecken Erde wieder seiner Bestimmung zufuehren, dass heisst gesunde Lebensmittel produzieren und eine vielfaeltige Fauna und Flora beherbergen - entgegen der allgemeinen Tendenz einer hochsubventionierten, intensiven Landwirtschaft, welche Boeden und Wasser verseucht, sowie ohne billige und rechtlose Arbeitskraefte nicht auskommt.


Verkauf von symbolischen Aren

Damit der Kauf des Landstuecks endgueltig gesichert ist, muessen wir den Ueberbrueckungskredit zurueckzahlen, Zu diesem Zweck verkaufen wir symbolische Aren zu je 265 CHF.

Wenn Sie Interesse an dieser Aktion haben und unverbindlich mehr Informationen moechten, halten wir das Dossier "15 Jahre Longo Mai in der Crau" und das Muster eines Anteilscheins fuer Sie bereit.

Zu bestellen bei: Pro Longo Mai, Postfach, CH-4004 Basel Tel. 0041-61-262 01 11