Rudolf Bahro, Glaube an das Veränderbare Eine Biographie

Version 5, 80.128.183.192 am 24.9.2006 15:23

Eine Biografie des streitbaren Gruendungsmitglieds der deutschen Gruenen beschreibt den widerspruechlichen Werdegang des linken Vordenkers.

Rezensionen

Contraste 253

Von Ueli Maeder, woz - Rudolf Bahro (1935-1997) gehoert zu den markantesten und umstrittensten Personen der juengeren deutschen Zeitgeschichte. "Oekofaschismus" schimpften seine GegnerInnen, und Bahro selbst wurde als "gruener Adolf" tituliert. Bahro, Gruendungsmitglied der deutschen Gruenen, trat fuer Selbstbestimmung, eine kommunitaere Subsistenzwirtschaft und eine oekologische Erneuerung ein. Ihn trieb die Frage um, warum der Mensch sich selbst und die Erde zerstoert, und er thematisierte, wie persoenliches Machtstreben das eigene Handeln korrumpiert.

Sein Einsatz fuer einen zivilgesellschaftlichen dritten Weg und seine Ausstrahlung trugen nicht nur in der ehemaligen DDR zum Aufbruch bei. Als Antwort auf den Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei (1968) veroeffentlichte Bahro sein Buch "Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus" (1972), was zu einer laengeren Gefaengnisstrafe fuehrte, gegen die Heinrich Boell, Rudi Dutschke und weitere in der ganzen Welt protestierten. Gregor Gysi verteidigte Bahro vor Gericht. Spaeter aus der DDR ausgewiesen, gruendete Bahro 1980 mit Petra Kelly und andern die Gruenen, die er nach fuenf Jahren wieder verliess. Zuvor habilitierte er an der Universitaet Hannover in Sozialphilosophie. Nach der Wende kehrte Bahro in die fruehere DDR zurueck. An der Berliner Humboldt-Universitaet, an der er einst studiert hatte, arbeitete er nun im Institut fuer Sozialoekologie an der Theorie eines sozialoekologischen Umbaus, die er auch in konkreten Oekogemeinschaften verwirklichen wollte. Seine Provokationen sorgten fuer viele Schlagzeilen und Anfeindungen. 1997 starb Bahro kurz nach dem Suizid seiner Gefaehrtin.