Zwei Thesen zum Lernen
Diese Thesen betreffen die Aneignung und Darstellung der Schriften von Klaus Holzkamp zum Thema Lernen. Formuliert habe ich sie, nachdem ich mir angesehen habe, wie Klaus Holzkamp in der Pädagogik dargestellt und verstanden wird. Mir begegnete ein Text von Holzkamp ("Lehren als Lernbehinderung") im Rahmen meines (Lehramts-)Studiums, nicht aber in den "Erziehungswissenschaftlichen Begleitstudien", in denen die alte Reiz/Reaktions-Psychologie immer noch Voraussetzung dafür ist, das Studium erfolgreich zu absolvieren. In diesen Thesen möchte ich zur Sprache bringen, was mir in einigen (nicht allen) Texten begegnet ist.
1. Die von Holzkamp entwickelten Ansätze einer subjektwissenschaftlichen Lernforschung werden als eine "Lerntheorie" missverstanden, welche nur in die bestehenden institutionellen Strukturen "implementiert" werden müsse.
Am Ende wird von der Institution oder vom Lehrer (subjektwissenschaftliche Didaktik, subjektorientiert Lehren) her gedacht, der Lernende (als Subjekt der Reflexion) gerät zum Objekt.
2. Die marxistische Grundorientierung der Kritischen Psychologie wird schlicht und einfach ausgeblendet
- dies führt wiederum zu entstellenden Fehlrezeptionen. Im psychologischen Mainstream geht es nun um die "Bedeutung von Wissen" für den Menschen in der "Wissensgesellschaft", ohne die Genese subjektiver Lernproblematiken und damit verbundene gesellschaftliche Strukturzwänge selbst zu reflektieren, welche so unbegriffen bleiben. Kritische Psychologie untersucht den Zusammenhang von Mensch und Welt in emanzipatorischer Absicht, sie bezieht sich auf die Weltseite der Subjekte. Das Kategorienpaar "defensives" / "expansives" Lernen dient der Erschließung von Handlungsmöglichkeiten und deren Behinderungen in institutionellen Kontexten ("Weltseite der Subjekte"), nicht dem reibungslosen Herstellen von Humankapital.
Kontaktier doch dazu Stefan Meretz, der ein großer Kenner von Holzkamp ist und bestimmt nicht die marxistische Grundorientierung der Kritischen Psychologie ausblendet.
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Donnerstag, 9. März 2006
Hier könnte über vermeintliche "Lernnotwendigkeiten" durch den neoliberalen Zwang zur Flexibilisierung reflektiert werden.