DenkTankstelle

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Die DenkTankstelle ist eine Einrichtung von attac Leipzig, an der man - wie der Name schon sagt - seine "Denke" wieder auftanken kann. Da das natürlich nicht so geht wie an einer normalen Tankstelle - Zapfe raus aus der Halterung, rin in den Nischel und bull-bull (okay, solche "Denktankstellen" soll es anderenorts auch geben) - machen wir das eher nach dem Wasserpfeifenprinzip: Was Kräftiges in die Mitte und in gemeinsamer Anstrengung wird es "konsumiert". Wobei die Frage offen ist, ob wir eher konsumieren oder eher produzieren - aber das soll ja in Zukunft sowieso nicht mehr so unterscheidbar sein (und war es nie, denn beim Produzieren haben wir schon immer konsumiert - Halbfabrikate - und beim Konsumieren produziert - Müll).

Kurz, solche Termine liegen meist an einem Donnerstag und Interessierte sind eingeladen und gern gesehen. Obwohl - richtig sinnvoll wird es erst, wenn wir etwas länger im Gespräch sind und unsere Vorlieben und Schwächen kennen. Und vor allem die Baustellen bestimmt haben, auf denen GEMEINSAMER LERN- und DISKUSSIONSBEDARF besteht.

DenkTankStellen sind monatlich einmal stattfindende Diskussionsabende, in denen Attacies und Attac Verbundene Gedankenaustausch über interessante Themen pflegen. Nach ersten Erfahrungen mit sehr lockeren Runden soll es nun doch eine Art Gesprächsleitung und Vorbereitung durch wechselnde Moderatoren geben.

"Was braucht der Mensch", 13.07.06 19:00 h in der Moritzbastei.

Thesen (von Johannes)

1. "Den Menschen" gibt es nicht. Die Frage könnte eigentlich nur heißen: Was braucht ein Mensch in seiner sozial-ökonomisch, geografisch-ethnisch, politisch, aber auch durch Alter, Konstitution, Geschlecht und Individualität bedingten historisch konkreten Situation? Der Mensch ist nur als soziales Wesen denkbar und verstehbar.
2. Die Frage nach dem "Brauchen" ist die nach den "Bedürfnissen".
"Ein Bedürfnis ist das Verlangen oder der Wunsch, einen empfundenen und/oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu verschaffen." (Aus Wikipedia:Bedürfnisse) 3. Es ist zwischen Grundbedürfnissen, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, Sicherheit, sozialen Bindungen, die zur Aufrechterhaltung der physischen und psychischen Existenz unbedingt erforderlich sind und darauf aufbauenden vielfältigen kulturellen ökonomischen und sozialen Bedürfnissen zu unterscheiden. Die Grenzen sind fließend und ändern sich.
4. Um die Entwicklung von Bedürfnissen zu verstehen, muss mensch sich auf die Betrachtung der Entwicklungsgeschichte der Menschheit seit ihren natürlichen Anfängen einlassen. Alle Bedürfnisse, auch die kompliziertesten sozialen und kulturellen, haben ihren Ursprung und finden ihre Erklärung im Überlebens- und Selbsterhaltungstrieb des Individiums und seiner Gruppe.
5. Im Zeitalter schrumpfender Ressourcen und sich entwickelnder und angleichender Bedürfnisse weltweit, steht die Frage nach gerechter Verteilung und Solidarität als Überlebensmaxime für alle.
6. Diese Probleme lösen sich nicht im Selbstlauf sondern erfordern ein hohes Maß an globaler Kooperation und Organisiertheit. Es steht die Frage, welche Art Gesellschaft das leisten kann oder auch nicht dazu taugt. Oder müssen erst die großen Katastrophen eintreten, damit sich was ändert?
7. Uns in Europa und der BRD muss besonders interessieren, nach welchen Maximen wir in diesem Prozess unsere Gesellschaften versuchen zu organisieren und die Bedürfnisse ihrer Mitglieder definieren und befriedigen. Mehr Staat? Weniger Staat? Was für ein Staat? Eigentum, Interessen, Macht sind da nur wenige der vielen auftauchenden Fragen.
8. Bedürfnisse sind beeinfluss- und manipulierbar. "Falsche" Bedürfnisse müssen zurückgedrängt, legitime präferiert werden. Rolle der Medien und der "moralischen Anstalten". Brauchen wir eine "Erziehungsdiktatur"?
9. Taugen aktuelle Projekte und Diskussionen zur Sicherung von Grundbedürfnissen zur Lösung der Frage?
10. Wer sich mit den Fragen nach den Bedürfnissen einlässt, sieht sich mit der Lebens-Sinnfrage konfrontiert. Wie entsteht Glück?

Fünf, die die Frage >Was braucht der Mensch< für sich so beantwortet haben: ab und zu mal eine Diskussion unter neugierig Interessierten, trafen sich gestern wieder mal in der MB. Die vorher zugesandten Thesen zum gleichnamigen Thema waren insofern nützlich, da Punkte mit Konsens nicht thematisiert werden mussten. Die Diskussion konzentrierte sich bald auf die sogenannte >Maslovsche Bedürfnispyramide< und die Fragen nach den Stellenwerten der in dieser Hierarchie genannten Bedürfnisse sowie vermeintlichen Defiziten.
Ob sich Bedürfnisse steuern lassen oder überhaupt gesteuert werden sollten, war ein weiterer Punkt. Während eine Meinung davon ausging, dass sich die wachsenden Bedürfnisse in jeder Gesellschaft unabhängig von den globalen Ungleichgewichten ihre Erfüllung suchen und durch technologischen Fortschritt auch finden werden, (Bedürfnisse bestimmen die Möglichkeiten, nicht umgekehrt), meinten andere, dass ein >Weiter so< in die, vielleicht heilsame, Katastrophe führt. Fortschrittsglaube versus Skepsis und Zweifel.
Auch an der Frage, ob in der BRD die Grundbedürfnisse befriedigt und die Defizite eher in den sozialen und kulturellen Bereichen zu finden sind, erhitzte sich die Diskussion.
Was tun? "Hic Rhodos, hic salta!" http://de.wikipedia.org/wiki/Hic_Rhodus%2C_hic_salta meinten die Einen, globales Handeln die Anderen.
Die Annahme, dass sich so eine Debatte moderieren ließe, war wohl zu blauäugig. Das Bedürfnis >Meinungsäußerung< wurde ziemlich heftig befriedigt, das Bedürfnis >Hinhören und darauf antworten< schien nicht allzu entwickelt zu sein.