Kommunität Grimnitz

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Daten
web: http://www.kommunitaet-grimnitz.de/
Adresse: Kommunität Grimnitz
Grimnitzer Str. 15
16247 Joachimsthal
Tel: 033361/ 70626
Fax: 033361/ 70294

Christliche Lebensgemeinschaft im Barnim (Land Brandenburg)

Die Kommunität Grimnitz konstituierte sich 1997 ursprünglich als eine Art Selbsthilfegruppe von jungen Absolventinnen und Absolventen des Berliner Predigerseminars, denen die Berlin-Brandenburgische Landeskirche aus Sparzwängen keine Pfarrstelle anzubieten hatte. Eine Gruppe von Abgewiesenen fasste zusammen mit Lehrkräften des vor der Schließung stehenden Predigerseminars den Entschluss, gemeinsam aufs Land zu ziehen und bibelorientiert verbindlich zu leben – dabei Arbeitskraft und finanzielle Ressourcen zu teilen, Projekte des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu betreiben und gemeinnützige, kooperative Angebote an die Bewohnerinnen und Bewohner der Region zu entwickeln. Die Idee einer "vita communis" im Sinne Dietrich Bonhoeffers reizte auch andere, rentennahe Menschen, wie den Studienleiter der evangelischen Akademie Mühlheim, und solche, die es gerade noch in ein überregionales Pfarramt geschafft hatten. Gemeinsam pachteten sie im ehemaligen Fischerdorf Alt-Grimnitz, Ortsteil der alten Schorfheidestadt Joachimsthal, etwa 70 km nördlich von Berlin, einen Gutshof ohne die dazu gehörigen Äcker -, Wiesen- und Waldflächen und gründeten den gemeinnützigen Verein Kommunität Grimnitz e.V. zur Förderung christlichen Lebens im Bereich der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.

Um den Kern von fünf bis sieben ständigen Gutshof-Bewohnern ("Lebensgemeinschaft vor Ort") gruppierten sich im Laufe der Jahre weitere aktive Mitglieder aus unterschiedlichen Berufen, finanzielle Förderer, mitarbeitende Dauergäste und sporadische Helfer je nach persönlicher Lebenssituation. Andere wiederum kamen als Unterstützungsbedürftige in zeitweiliger Notlage oder z.B. als Praktikantin. Seit sich das Angebot der Kommunität zum zeitweiligen Mitleben ausgeweitet herumgesprochen hat ("Kloster auf Zeit"), nutzten mehr und mehr Menschen die Möglichkeit, sich während einer kürzeren oder längeren Auszeit von ihrem Alltag auf die kommunitäre Lebensweise der Gemeinschaft vor Ort einzulassen und an den Kommunitätsprojekten mitzuwirken. Der Schwerpunkt für die Mitarbeit der Gästegruppen. Sehr willkommen sind der Gemeinschaft auch Gäste mit gediegenen bis professionellen Fähigkeiten im Bauhandwerk.

Die Kommunität versteht ihr Zusammenleben im Kommunitätshaus als Basisprojekt und wichtige Voraussetzung für ihre "missio Dei", ihr Wirken in der Welt. Es ist entsprechend der Gemeinschaftsregel an folgenden Zielsetzungen orientiert: - die politische Praxis wie das alltägliche Leben untereinander und mit biblischen Texten ins Gespräch zu bringen und auf dieser Basis offen zu sein für den Dialog mit anderen religiösen Bekenntnissen und Weltanschauungen; spirituelle Gemeinschaft in täglichen Gebetszeiten (Morgen- und Abendandacht), Feiern und Fasten zu pflegen; an verschiedenen Ausdrucksformen biblischen Gottesglaubens miteinander und voneinander zu lernen und eine authentische gemeinsame spirituelle Praxis zu entwickeln, - die Bewirtschaftung von Haus und Garten mit entsprechender gemeinsamer Kasse zu teilen, gemeinsam zu kochen und zu essen, - Projekte gemeinsam zu planen und durchzuführen, in wöchentlichen Besprechungen das Alltägliche zu begleiten; verschiedene Arbeit und Ruhe zu finden; die Sorge für Alte, Kranke, Hilfsbedürftige und Kinder zu teilen, - Herberge zu sein für Menschen vom Rand der Gesellschaft; Herrschafts- und Gewaltverhältnisse in der Gesellschaft wahrzunehmen, zu analysieren und Alternativen zu ihnen zu leben; sich auseinanderzusetzen, auch miteinander zu streiten, Konfliktfähigkeit zu üben und geschwisterliche Loyalität nach innen und außen zu praktizieren.

Ausgehend vom Basisprojekt und in Konkretion der genannten Zielsetzungen engagiert sich die Kommunität vor allem für:

Beschäftigungsinitiativen jenseits der Erwerbsarbeit und gemeinwesenorientierte Ökonomie
2002 erwarb die Kommunität die "Alte Oberförsterei" auf dem Nachbargrundstück als künftigen Wohnsitz. Das inzwischen unter Denkmalschutz gestellte Objekt wird im Rahmen eines ökologisch orientierten Konzepts saniert und restauriert, so dass bis zu 12 Wohneinheiten sowie Gästezimmer, Gemeinschafts- und Seminarräume entstehen. In einer Kombination von Erwerbsarbeit und gemeinschaftlicher Eigenarbeit sollen dort neuartige Arbeits- und Lebensplätze geschaffen werden, um in Generationen übergreifender Gemeinschaft mit relativ wenig Geld jenseits der Diktatur von Markt und Mammon leben zu können.

Gerechtes Teilen mit Menschen außerhalb Europas
Die Kommunität engagiert sich in Menschenrechtsfragen Lateinamerikas (Argentinien und Kolumbien) und koordiniert die Vorbereitung und Finanzierung des Selbsthilfeprojektes zur Errichtung einer Biogasanlage im Ausbildungszentrum für ländliche Technik in Kashasha (Tansania).

Integration von Migrantinnen und Migranten
Ein Teil des Geländes der Kommunität wurde für das Integrations- und Selbsthilfeprojekt Interkultureller Garten Joachimsthal zur Verfügung gestellt, das Flüchtlingen und MigrantInnen die Möglichkeit bietet, sich durch die gemeinsame Gestaltung und Bewirtschaftung eines Gartens und durch den sozialen Austausch untereinander und mit Einheimischen neu zu "verwurzeln". (gefördert von der Stiftung Interkultur München)

Gästehaus und internationale Jugendbegegnung
Seit Juli 2003 können Gästegruppen, die nach Absprache ihr eigenes Programm gestalten wollen (z.B. Konfirmandengruppen, "Pilger" – Gruppen zum Thema "Kirche – Kultur – Natur"), das Jugendgästehaus in der ausgebauten alten Remise des Gutshofes nutzen. Es verfügt über bis zu 24 preiswerte Übernachtungsplätze (im Sommer mit Erweiterungsmöglichkeit), Sanitäreinrichtungen, Gästeküche zur Selbstversorgung, Speise-/Seminarraum und Bibliothek. Ein Teil der Unterkünfte ist Behindertengerecht. Die Kommunität selbst veranstaltet in ihrem Gästehaus jährlich gemeinsam mit dem Internationalen Versöhnungsbund IFOR ein internationales Sommerworkcamp, bei dem junge Erwachsene zusammenkommen (insbesondere aus Ost- und Westeuropa), um unter einem thematischen Schwerpunkt (z.B. Menschenrechte, EU- Erweiterung, Dialog der Kulturen und Religionen, Gewaltfreiheit) ihre Erfahrungen miteinander auszutauschen, praktische/ökologische Arbeit auf dem Gelände zu leisten und sich zu erholen.

Kulturelle Arbeit und evangelische Erwachsenenbildung
Die Kommunität organisiert regelmäßig Ausstellungen und beteiligt sich an regionalen Kunstereignissen wie dem Tag des offenen Denkmals im Barnim und dem Joachimsthaler Kunstwochenende. Professionelle und Laien- Künstler können das Jugendgästehaus für Übernachtung und künstlerische Arbeit nutzen. Im Rahmen der evangelischen Erwachsenenbildung im Barnim bietet die Kommunität Seminare und Kurse an, vornehmlich aus den Themenbereichen Religion, Philosophie, Politik und Ökologie. Außerdem werden Kräuter- und Wildbeerenwochenenden, naturheilkundliche Wanderungen, Yogakurse, Fasten- und Meditationswochen veranstaltet.

Ökologisch bewusste Lebensweise mit exemplarischer Selbstversorgung
Im Interesse der Schöpfungsbewahrung bemüht sich die Kommunität um ein einfaches Leben und nachhaltige Ressourcennutzung. Sie hat auf ihrem Gelände zwei Pflanzenkläranlagen in Eigenarbeit errichtet, kohlendioxidneutrale Holzvergaserkessel und Sonnenkollektoren in ihre Heizungsanlagen integriert. Außerdem wird eine Grauwasseranlage zur Wiederaufbereitung von Duschwasser genutzt und strikte Mülltrennung betrieben. Durch ökologischen Gartenbau werden Gemüse, Kartoffeln und Obst zur Selbstversorgung produziert.

Quelle: Belliner Bote, 1/2008 Hrsg. Haus der Stille Bellin e.V. bellinerbote(at)hausbellin.de