Das Wirtschaftswachstum: Aufwärts ist Abwärts
Im März 2008 lud der US-Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Transport zu einem Hearing mit dem Thema "Neu untersucht: das Brutto- inlandsprodukt als Maß für die Stärke der Nation". Jonathan Rowe, Direktor der West Marin Commons (eines Gemeinde-Autarkie-Projekts in Kalifornien), trug dabei das folgende Statement vor:
Nehmen wir an, der Chef einer Bundesbehörde käme vor diesen Ausschuss und berichtete voller Stolz, seine Behörde habe zehn Prozent mehr Kalorien verbrannt als im Jahr davor. Und nicht nur das: Sie habe auch zehn Prozent mehr Geld ausgegeben.
Ich habe das Gefühl, dass Sie an dieser Stelle mehr wissen möchten. Was machten die Beamten, als sie all diese Kalorien verbrannten? Und wofür haben sie das ganze Geld ausgegeben? Und vielleicht noch wichtiger: Was war das Ergebnis von all dem? Ausgaben sind ein Mittel, kein Zweck; und um das gesunde Funktionieren einer Behörde zu bewerten, müsste man eigentlich wissen, was sie erreicht hat, und nicht bloß ihr Hin und Her an Bewegung und wieviel Geld sie ausgegeben hat.
Ein selbstverständliches Verlangen, wie es scheint. Und doch vermeidet der amerikanische Kongress diese Fragen jeden Tag, wenn er von "der Wirt- schaft" spricht. Ebenso die Regierung und die Medien. Jedesmal, wenn Sie sagen, dass "die Wirtschaft" gewachsen ist, dass Sie sie "ankurbeln" und "beleben" werden, damit sie wieder "anspringt" oder wie auch immer Sie sich hier ausdrücken, reden Sie genauso wie der Behördenchef. Sie fordern mehr Geld und mehr Bewegung, ohne zu bedenken, was diese höheren Ausgaben im Endeffekt ausrichten – und ohne zu bedenken, wen sie mit diesem Geld an den Rand der Gesellschaft oder ganz aus ihr hinausdrängen. Der Begriff "die Wirtschaft" bedeutet in dieser Praxis das Bruttoinlandsprodukt oder BIP. Das BIP ist ein riesiger Topf, in den statistisch das ganze Geld hinein- kommt, das innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einem Land für Waren und Dienstleistungen ausgegeben wurde. Wenn mehr in dem Topf ist als im letzten Quartal oder im Vorjahr, dann jubeln Sie. Wenn weniger Geld drin ist oder nur ein bisschen mehr, dann laden Sie den Direktor der Bundesnoten- bank vor und fragen ihn, was zum Teufel hier passiert ist. Was produziert wurde, ist bei diesen Beratungen völlig gleichgültig. Es kommt nie auf den Tisch. Ob das viele Geld in dem großen Topf zur Heilung von Krebskranken oder in Spielcasinos, für Gewaltvideos oder überhöhte Kreditkartenzinsen verbraucht wurde, spielt keine Rolle. Vielleicht stecken in dem Geld die neun oder mehr Milliarden Dollar, die wir Amerikaner für das Benzin ausge- ben, das wir im Stau stehend verbrauchen und nirgendwohin fahren; oder die Milliarde für Drogen wie Ritalin und Prozac, die die Schulen ihren Schü- lern reinstopfen, damit sie im Unterricht ruhig sind.
Vielleicht sind es aber auch die ungefähr zwanzig Milliarden Dollar, die die Amerikaner jahrein, jahraus für ihre Scheidungsanwälte ausgeben, oder viel- leicht die fünf Milliarden Dollar jährlich, die der Missbrauch von Personen- daten kostet, oder die Abermilliarden für die Reparatur von Umweltschäden. Das Geld in dem großen Topf könnte ohne Weiteres irgendein Elend darstel- len, allgemeine Verzweiflung und Not, den Zusammenbruch der Gesell- schaft – es würde keinen Unterschied machen. Sie fragen nicht danach. Alles,